
Unterrichtsprojekte zum AZUMI Flötenschüler CD Wettbewerb Barock Star 2010
Sie finden hier neben Links zu Noten und Literatur zu Barockzeit aktuelle Unterrichtsprojekte von Schüler/innen, die im Rahmen von AZUMI BarockStar 2010 erstellt wurden.
Kurzweiliges Barock-Quiz
von Claudia-Wälder-Jene
Ein kurzweiliger Multiple-Choice-Test für alle barockinteressierten Flötist/innen!
... oder wissen Sie noch, welches Fest die wildeste Party im Barockzeitalter war?
Vielen Dank an Claudia Wälder-Jene und ihre Schüler für dieses lustige Quiz!

Natascha Siao und ihre Schüler beim Ensemble Workshop in Bad Vilbel
Von 5.-7. Juli fand in in der Alten Mühle in Bad Vilbel der von Natascha Siao in Zusammenarbeit mit der Musikschule Bad Vilbel organisierte Querflöten Ensemble Workshop zum AZUMI Barock Star Wettbewerb 2010 statt. Das Abschlußkonzert wurde auf CD aufgenommen und beim AZUMI CD-Wettbewerb eingereicht.
Was ist eigentlich Barockmusik?

von Claudia Wälder-Jene und ihren Schüler/innen
Die Barockmusik gehört zu den ältesten, jedoch in jedem Fall auch beliebtesten Musikepochen der Vergangenheit. Der Begriff „Barock“ entstammt der Portugiesischen Sprache, in der unregelmäßig geformte Perlen als „barocco“, d. h. „schiefrund“ oder „merkwürdig“ bezeichnet wurden.
Dieser Begriff wurde im französischen Raum zuerst abwertend für Kunstformen gebraucht, die nicht dem herrschenden Geschmack entsprachen.
Zeitlich einzuordnen ist sie etwa vom 17. Jahrhundert bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, wobei man die Epoche nochmal untergliedert in Früh-, Hoch- und Spätbarock. Der Frühbarock stand stark unter italienischen Einflüssen, während der Hochbarock vor allem von französischer Musik dominiert wurde.
In diesen Phasen waren größere regionale Unterschiede erkennbar. So dominierte in Frankreich die Tanzbegeisterung am Hof Ludwig XIV. die Musik, während Deutschland vor allem durch Orgelmusik geprägt war.
Die verschiedenen Stile der Länder näherten sich dann im Spätbarock immer weiter aneinander an. Mit den modernen Tonarten Dur und Moll, aus den zahlreichen Kirchentonarten erwachsen, schuf der Barock sich die Möglichkeit, Gegensätze und Spannungen auszudrücken, was zum Ziel der musikalischen Entwicklung dieser Zeit wurde. Im Barock entwickelte sich auch das Generalbasszeitalter.
Barock Komponisten
Die Links zu den Stücken führen zu Dateien der Petrucci Music Library - u.a. neben Standardausgaben auch zu Fotografien von Frühdrucken und Handschriften. Es sind einige Links dabei, die wegen der Größe der Dateien etwas Zeit zum Laden in Anspruch nehmen könnten.
Johann Sebastian Bach
21. März 1685 - 28. Juli 1750
Sonate in C-Dur
Sonate in H-Moll
Sonate in Es-Dur
Sonate in A-Dur
Sonate in E-Moll
Sonate in E-Dur
In der Mitte von Bachs Schaffenszeit setzte sich die Querflöte nach und nach als fester Bestandteil des Orchesters durch - zunächst nur um den Violinen eine zusätzliche Strahlkraft zu verleihen. Die ersten Flötenwerke von Bach sind einem Auftrag des damaligen Markgrafen von Brandenburg zu verdanken.
Die sechs Stücke sind unter dem Namen Brandenburgische Konzerte weltberühmt. Im fünften Konzert wird die Flöte als Soloinstrument eingesetzt. In seiner Kirchenmusik hat Bach der Flöte wunderschöne Solopassagen zugedacht.
Beispiele hierzu: Flötenpart aus der Matthäuspassion in der Arie “Aus Liebe will mein Heiland sterben” und die ersten drei Kanten des Weihnachtsoratoriums, in dem die Flöten die Hirten darstellen. Häufig wird der Tod Johann Sebastian Bachs 1750 als das Ende des musikalischen Barock betrachtet.
(Lina Meter, Schülerin von Claudia Wälder-Jene)
Georg Friedrich Händel
23. Februar 1685 - 14. April 1759
Sonaten für Soloinstrument (Flöte) und Basso Continuo
Georg Friedrich Händel fuhr 1711 und 1712 nach London und entschied sich nach einer Weile nach England zu siedeln, weil seine Werke sehr erfolgreich waren. Dort trat auch die moderne Querflöte einen “Siegeszug“, in den Orchestern, gegen die Blockflöte an. Händels bedeutendste Werke für die Flöte waren die Sonaten Douze Sonatas pour une traversiere, un violon ou hautbois con basse-continue.
Er schrieb fast vierzig Opern, viele Chorwerke, worin oft die Flöte in seinem Opernpartituren zu finden ist. Bekannte Werke sind der Messias und die Wassermusik, geschrieben am 17. Juli 1717 für König Georg 1.
Die Querflöte, Blockflöte und das Fagott trugen zum heiteren, freundlichen Klang der Komposition bei. Händel ließ bei dem Druck der Wassermusik der Partitur einen Flötenauszug für das englische Publikum beilegen.
(Viona Jessen, Schülerin von Claudia Wälder-Jene)
Johann Philipp Kirnberger
24. April 1721-27. Juli 1783
Johann Joachim Quantz
30. Januar 1697 - 12. Juli 1773
Versuch einer Anweisung die Flöte Traversiere zu spielen (1752)
6 Duette für 2 Flöten (QV 3:2.1-6, Op.2)
Konzert in G-Dur (QV 5:174)
Johann Joachim Quantz wurde in einem Dorf in Niedersachsen geboren. Als er noch ganz klein war, konnte er schon auf vielen Instrumenten spielen. Er war einer der berühmtesten Flötisten und Komponisten. Als er noch keine 20 Jahre alt war, ging er nach Dresden. In seiner Wien-Reise studierte er bei Johann Joseph Fux.
Nach dieser Reise kehrte er nach Dresden zurück und bekam da eine Stelle als Oboist in der Königlich Polnischen Kapelle. Währenddessen nahm er auch Flötenunterricht beim Virtuosen Buffardin.1728 besuchte Quantz Berlin. Dort brachte er die ganze Aufmerksamkeit des Kronprinzen Friedrich von Preußen auf sich, sodass dieser auch Unterricht von Quantz haben wollte.
Aus den Unterrichtsstunden wurde eine Freundschaft, die ein Leben lang hielt. Nach seiner Ernennung zum König erweiterte Friedrich II. sein Personal am Hof und berief Quantz zum Kammermusiker und Hofkom-ponisten.
Ingesammt 200 Flötensonaten, 60 Sonaten für Flöte und ein anderes Soloinstrument, rund 300 Flötenkonzerte sowie zahlreiche kleinere Werke flossen während der folgenden 30 Jahre aus seiner Feder.
Vor seinem Tod im Jahre 1773 erweiterte er die Flöte, indem er am oberen Ende und am unteren Ende noch ein Stück anbaute.
(Laura Oberdiek, Schülerin von Claudia Wälder-Jene)
Jean-Philippe Rameau
25.September 1683 - 12.September 1764
Pièces de Clavecin
Treatise of Music (English Translation)
Georg Philipp Telemann
14. März 1681 - 25. Juni 1767
12 Fantasien für Flöte ohne Bass (TW 40:2-13)
12 Methodische Sonaten
Sonaten im Kanon, Op.5
Georg Phillip Telemann war über 40 Jahre lang Musikdirektor der fünf Hauptkirchen in Hamburg. Bach und Händel gehörten zu seinen Bewunderern. Mit 10 Jahren fing Telemann an zu komponieren.
Damals beherrschte er mehrere Instrumente wie Geige oder Flöte. Mit 20 ging der Magdeburger auf die Universität, wo er nach einem Jahr Jura-Studium seine Karriere als Berufsmusiker begann. Telemann schrieb rund einhundert der damals sehr beliebten Triosonaten. Zu den bekanntesten Kompositionen zählen die drei Sammlungen mit der Musique de table.
Um 1740, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, widmete er sich verstärkt dem Schreiben über Musik. 1755 brachte Händel ihn dazu, wieder zu komponieren, was er dann bis zu seinem Lebensende auch beibehielt.
(Caroline Weber, Schülerin von Claudia Wälder-Jene)
Antonio Vivaldi
4. März 1678 - 28. Juli 1741
Flötensonate in C-Dur
Vivaldis Vater Giovanni, selber Geiger, erkannte schon sehr früh Vivaldis Talent
und gab ihm Musikunterricht. Auch der damals noch selten gespielten Querflöte, die zu seiner Zeit populär wurde, brachte er sehr großes Interesse entgegen.
1701 trat er dann dem angesehensten Konservatorium „ Opsedale della Pietá“ bei, wo er auch bis zu seinem Lebensende blieb. Für öffentliche Konzerte und für seine Flötenschüler komponierte Vivaldi einige Stücke. Die meisten Solo-Sonaten, darunter vier für Flöte, komponierte er für den privaten Gebrauch.
Ab 1723 hatte Vivaldi die Aufgabe monatlich 2 neue Stücke für das Konservatorium zu schreiben. 1728 veröffentlichte er eine Gruppe von sechs Konzerten für Flöten und Streicher - dies war eine neue Kombination. Einige Stücke schrieb er dafür selber aber manche waren auch Neubearbeitungen von alten Stücken, die er für Blockföten geschrieben hatte.
Die Titel seiner Stücke wählte er nach den entsprechenden Geräuschen aus, die er mit der Musik versuchte zu imitieren (z.B 1728, ´La tempesta de mare´). Insgesamt hat Vivaldi für Flöte und Orchester 13 Stücke geschrieben. Vivaldi war der Erste, der sich auf die Querflöte spezialisierte. Trotzdem wurde nur 1/5 seiner Kompositionen vor seinem Tod veröffentlicht.
(Lara Jessen, Schülerin von Claudia Wälder-Jene)
Musikalische Formen im Barock

Ein Projekt von Claudia Wälder-Jene und ihren Schülerinnen
Sonate
von Lara Jessen
(ital. sonata, suonata, von suonare - klingen, erklingen lassen, lat. sonare - klingen) ist ein mehrsätziges Instrumentalstück. Je nach Besetzung wird unterschieden zwischen Solosonaten für ein einzelnes Instrument (meistens Klavier oder Violine), Duosonaten – (meistens ein Streich- oder Blasinstrument plus Klavier) und Triosonaten oder Quartetten.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war Sonate eine Bezeichnung für Instrumentalstücke ohne bestimmtes Formschema. Zunächst wurde sie von Giovanni Croce, Andrea Gabrieli und von dessen Neffen Giovanni Gabrieli verwendet. Die ältesten Sonaten sind Stücke für mehrere Instrumente. Ihr Schwerpunkt liegt in der Entfaltung harmonischer Fülle. Ihre praktische Aufgabe ist es, einem kirchlichen Gesangswerk als Einleitung vorausgeschickt zu werden. Ende des 17. Jahrhunderts unterschied man drei Typen von Sonaten:
Die Sonata da chiesa (Kirchensonate) bestand gewöhnlich aus einer langsamen Einleitung, einem lose fugierten Allegro, einem sanglichen langsamen Satz und einem lebhaften Finale in zweiteiliger Form, in der italienischen Volksmusik findet sie sich bis ins 19. Jahrhundert. Die Sonata da camera (Kammersonate) dagegen bestand weitgehend aus stilisierten Tanzsätzen.
Zur Zeit Bachs und Händels hatte sich ihre Entwicklung von der Sonata da chiesa vollkommen abgekoppelt und Suite, Partita, Ordre oder (mit einem vorangestellten Präludium im französischen Stil) als Ouvertüre bezeichnet. Durch viele Komponisten, wie z.B. Gian Pietro del Buono oder Johann Kuhnau, wurde die Sonate in verschiedenen Stilen bekannt.
Die neue Form der Sonate wird durch Haydn, Mozart und Beethoven auf die Kompositionen für verschiedene Ensembles (Violine und Klavier, Klavier, Violine und Cello, Streichtrio, Streichquartett etc.) und für Orchester (Symphonie) übertragen, wobei die Bezeichnung Sonate trotz gleicher Form aber der Kammermusik vorbehalten bleibt.
Badinerie
von Lara Jessen
(auch Badinage, frz. = Spaß, Scherz) bezeichnet ein tanzartiges Charakterstück das durch einen schnellen und lockeren Zweiertakt gekenn-zeichnet ist. Das bei weitem bekannteste Beispiel ist der Schlusssatz der 2.Orchestersuite in h-Moll von Johann Sebastian Bach.
Allemande
von Laura Oberdiek
Die Allemande (frz. für „Deutsche“) war in Frankreich, in England und in Spanien als ein zweiteiliger Schreittanz bekannt, dessen erster Teil im 4/4-Takt, der zweite im ¾-Takt stand. Sehr wahrscheinlich entstand die Allemande aus Volkstänzen.
Häufig tanzt man sie mit Armfiguren. Die Allemande wurde, wie auch die musikalischen Formen Courante, Sarabande und Gigue, ein fester Bestandteil der Suite in der Barockzeit.
Bourrée
von Laura Oberdiek
Bourrée ist ein Hoftanz, des französischen Hofes des 16. Jahrhunderts. Später wurde sie zu einem Volkstanz. Die ersten Bourrées, die geschrieben wurden stammen aus dem 17. Jahrhundert und sind in geraden Taktarten notiert. Die Bourrée fand als Volkstanz im 19. Jahrhundert auch im dreiteiligen Takt eine weite Verbreitung.
Kantate
von Caroline Weber
Die Kantate (lat. cantare = singen) bezeichnet eine Formfamilie in der Musik die von mehrsätzigen Werken für Gesangstimmen und Instrumenten begleitet wird. Hierbei können sich Rezitative, Arien, Ariosi, Chorsätze, Choräle und instrumentale Vor- und Zwischenspiele beliebig abwechseln.
Im 18. Jahrhundert bekam die Kanate ihre größte Bedeutung. Man kannte 2 verschiedene Kantatenarten: die geistlichen und die weltlichen Kantaten. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Kantate als Kammerkantate bezeichnet, wenn sie für eine Volksstimme, Generalbass und gelegentlich wenige Melodieinstrumente geschrieben war. Die berühmtesten Kantaten-Komponisten des Barocks waren D. Buxtehude, J. S. Bach . und G. Ph. Telemann.
Kantaten wurden hauptsächlich für den kirchlichen Gebrauch komponiert. Eine typische Kirchenkantate aus der Zeit J. S. Bach besteht aus einem Instrumentalvorspiel (optional), einem Eingangschor, einer Abfolge von Rezitativen, Arien, Ariosi und Chorälen und einem Schlusschoral.
Textgrundlagen waren Bibeltexte (Paraphrasen, zeitgenössische Dichtungen), auch wichtig war die Solo-Kantate für eine Singstimme und Begleitung (Continuo o. Orchester). Diese Form kam auch oft im weltlichen Bereich vor. Besonders lange und vielsätzige Kantaten sind Passionen und Oratoren.
Menuett
von Caroline Weber
Das Menuett (frz. menu pas = kleiner Schritt) ist ein alter französischer Volkstanz und war ein wichtiger Tanz der Barockzeit und Klassik. Er hat die musikalischen Merkmale, dass er im Dreiertakt steht, in einem mäßigem Tempo gespielt wird und meist aus einer Abfolge von 4-, 8- oder 16-taktigen Teilen steht.
Das Menuett war ein beliebter Gesellschaftstanz von der zweiten Hälfte des 17. bis zum späten 18. Jahrhundert. Er wurde durch Ludwig XIV. an europäischen Höfen eingeführt. In der Instrumentalmusik findet sich das Menuett, ausgehend von Frankreich, bereits im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts zahlreich wieder - so z.B. in Suiten oder Opern. Später wandelt es sich vom höfisch-aristrokratischen Tanzsatz zum tänzerisch-beschwingten Mittelsatz der neuen Instrumentalformen, wie der Sinfonie.
Das Menuett ist im Prinzip eine dreiteilige Liedform, also A-B-A, bzw. Menuetto - Trio - Menuetto (Da capo al fine). Die Bezeichnung Trio kommt daher, dass in älteren Menuetten der Barockzeit im Mittelteil meistens ein solistisches Trio konzertiert. Neben der Instrumentierung kontrastiert das Trio meist auch in Tonart und Dynamik mit dem Menuett.
Kanon
von Viona Jessen
Unter einem Kanon (griech. = Maßstab, Regel) versteht man in der mehrstimmige Musik kontrapunktische (“Note gegen Note“) Kompositionen in denen sich eine oder mehrere Stimmen streng imitieren. In den meisten Fällen setzen mehrere Stimmen nacheinander ein.
Diese Art von Kanon ist der Fuge sehr ähnlich (kann auch als Sonderfall der Fuge betrachtet werden). Die Konstruktion seiner Melodie bedarf der besonderen Sorgfalt des Komponisten. Der Canon war ursprünglich eine mittelalterliche Musiktheorie, wortwörtlich ein Anweisung und keine musikalische Gattung, wie sie erst im 16. Jahrhundert zustande kam.
Er diente dazu Einzelstimmen von Kompositionen zu wiederholen oder auch weitere Stimmen aus ihnen abzuleiten. Vorher gab es nur den Terminus Fuga (strengen Kanon). Aus dem 13. Jahrhundert stammt der erste Überlieferte. Seinen Höhepunkt erreichte der Kanon im 15. und dem 16. Jahrhundert in der Vokalpolyphonie der Niederländer, auch in der Barockmusik bei Johann Sebastian Bach (z.B. Das Musikalische Oper oder Goldberg-Variation).
Zu dieser Zeit wurde der Kanon als Sonderfall der Fuge angesehen (fuga ligata). Sehr beliebt sind die Kanons heute in den Gesängen von Taizé.
Suite
von Lina Meter
Eine Suite (frz.suite = Folge, Abfolge) ist in der Musik ein Zyklus von Instrumental- oder Orchesterstücken, der in einer vorgegebenen Abfolge ohne längere Pausen gespielt wird. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts etablierte sich daneben der Name Partita.
Die modellhafte Form des einzelnen Satzes einer barocken Suite ist die Suitensatzform. Ihre typischen Merkmale zeigt das Menuett Bachs. Ein Suitensatz ist zweiteilig; beide Teile werden wiederholt. Und grundlegend für die Form ist der harmonische Verlauf. Etienne du Tertre benutzte den Ausdruck erstmals 1557 für seine suyttes de bransles, die, wie zu jener Zeit üblich, aus Paaren von Tänzen bestanden.
In der Barockmusik sind die Einzelstücke einer Suite in der Regel echte oder stilisierte Tänze und stehen meistens in der gleichen Tonart. Die Suite entwickelte sich im 17. Jahrhundert in Frankreich und bestand aus der Abfolge Allemande – Courante – Sarabande – Gigue. Variationen dieser Abfolge waren natürlich immer möglich.
Es wurde üblich, vor der abschließenden Gigue weitere Sätze wie Menuett, Gavotte, Bourrée, Passepied usw. paarweise einzuschieben und der gesamten Suite eine Ouvertüre als Eröffnungssatz voranzustellen. Mit dem Ende des Barockzeitalters um 1750 kam die Suite aus der Mode, vor allem trat die Sinfonie an ihre Stelle als aufwendige Orchestermusik.
Die Flauto Traverso

Claudia Wälder-Jene
Die Flauto traverso, aus der sich die heutige Boehm-Flöte entwickelte, tritt erstmals in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Frankreich auf, wo sie sich rasch einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreute. Darüber, wie das Instrument nach Europa gekommen ist, weiß man wenig.
Ende des 17. Jahrhunderts jedoch taten sich eine beträchtliche Anzahl französischer Flötenvirtuosen hervor, darunter beispielsweise Pierre Gabriel Buffardin (1690-1768) und Jacques Hotteterre le Romain (1680-1760).
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Instrument auch in Deutschland immer beliebter und verdrängte zu Beginn der 1720er Jahre, wohl vor allem auf Grund des volleren Tons, des größeren Ambitus’ und der stärkeren Ausdrucksfähigkeit allmählich die bislang vorherrschende Blockflöte.
Bach hat diese Eigenschaften in seiner Musik für die Flauto traverso bis zur Vollkommenheit präsentiert. Unzweifelhaft stellen seine Flötenwerke den Höhepunkt flötistischer Barockkunst dar. Eine Fülle von kammermusikalischer Literatur und diverse Verzeichnisse, die selbige nennen, können als Indiz für die große Verbreitung des Instrumentes gewertet werden.
Das Querflötenspiel in Deutschland wurde unter anderem von den französischen Holzbläsern angeregt, die in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in den deutschen Orchestern saßen. Als bedeutendster ist darunter sicherlich Buffardin zu nennen, der von 1715-1749 erster Flötist in der Dresdener Hofkapelle war. Als Mitbegründer der deutschen Querflötenmusik muss auch Johann Joachim Quantz (1697-1773) genannt werden, der ebenfalls ab 1728 in Dresden als Flötist tätig war.
Die Flauto traverso entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Soloinstrument unter den Holzblasinstrumenten. Die aus Holz gefertigte Flöte besaß 6 Grifflöcher und eine Klappe am Fußende. Chromatische Töne konnten durch Gabelgriffe erzeugt werden, die zwar besser als bei der Blockflöte, dennoch von minderer Qualität als die Grundtöne waren, sodass eine schlechtere Klangqualität bei tonartfremden Tönen zu verzeichnen war.
Bei der Bestimmung von Werken als Originaltranspositionen, Bearbeitungen, Trans-positionen und ähnlichem kann der Tonumfang der damaligen Querflöte oftmals von Bedeutung sein.
Der zur Zeit Bachs gebräuchlichste und verbreitetste Flötentyp mit einer Länge von 72cm ermöglichte als tiefsten Ton d’ und reichte bis d’’’. Töne oberhalb dieser Begrenzung treten bei Bach jedoch schon häufig auf. Seine Flötenwerke fordern oft eine Tonhöhe bis g’’’, in BWV 1013 sogar bis a’’’. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Töne schwer erreichbar gewesen sein müssen und lediglich von äußerst begabten und herausragenden Flötisten gespielt werden konnten.
Bezeichnend für Bachs Kompositionen für Flöte ist, dass er solche instrumentenspezifische Schwierigkeiten wie die extreme Tonhöhe über den gewöhnlichen Umfang hinaus oder durchlaufende Sechzehntelketten, die einen Bläser in atemtechnische Not bringen, nicht meidet, was zu kontroversen Meinungen führt. Manche Kritiker behaupten, diese kompositorischen Kennzeichen seien in Unkenntnis im Umgang mit dem neuen Instrument entstanden.
Andere vermuten, dass es sich bei manchen Kompositionen um Bearbeitungen von Werken handelt, die ursprünglich für eine andere Besetzung konzipiert waren. Wieder andere erklären sich die Schwierigkeiten, denen sich der Instrumentalist in Bachs Flötenkompositionen gegenübersteht, daraus, dass die Werke für bestimmte Virtuosen entstanden sind, die mit diesen Schwierigkeiten umgehen konnten.
Zudem weiß man auch nicht bestimmt, wie oder wo es Johann Sebastian Bach möglich war, sich über den Umgang mit der Flauto traverso, ihren Tonumfang, ihre technischen Möglichkeiten oder ihre musikalischen Eigenschaften zu informieren.
Neben dem oben genannten Hauptflötentyp existieren noch einige eher selten gespielte Varianten mit höherer, aber auch tieferer Stimmgrenze. Dies resultiert daraus, dass die Flauto traverso, wie heute auch noch, in drei Teile zerlegbar war. Der mittlere Teil konnte bei manchen Flöten ausgewechselt werden.
So konnte der Grundton beispielsweise von d’ in es’ umgewandelt werden, was in der nachfolgenden Behandlung der einzelnen Sonaten von Bedeutung sein könnte. Denn eine Flöte mit es’ als Grundton wäre besser für die B-Tonarten, eine Flöte mit d’ als Grundton eher für die Kreuztonarten geeignet. Bach traf und arbeitete mit einer Reihe von Flötisten, von denen der ein oder andere vielleicht auch einen solch selteneren Flötentyp gespielt haben könnte.
Dennoch sollte man generell bei Bachs Flötenkompositionen vom Hauptflötentyp ausgehen. Dafür spricht auch die von Bach scheinbar mit Vorliebe verwendete Tonart h-Moll, die er wohl als bestklingendste Tonart auf der Flauto traverso ansieht.
Neben zahlreichen Arien mit Flöte in h-Moll steht die große Suite Nr. 2 für Flöte, Streicher und Basso continuo (BWV 1067) in h-Moll, der 2. Satz des Brandenburgischen Konzerts Nr. V und schließlich die wohl bekannteste und beeindruckendste Flötensonate BWV 1030 ebenfalls. Aber auch D-Dur, G-Dur, fis-Moll, d-Moll und e-Moll sind typische Flötentonarten, die Bach und seine Zeitgenossen gerne verwendet haben.
Auszug aus: Die Flötensonaten von Johann Sebastian Bach – Werkgenese und Authentizität, C. Wälder-Jene
















